900 Euro pro Monat für das Studium: Wuppertaler Studenten verfügen über mehr Geld als der Bundesdurchschnitt. Sie jobben dafür aber auch häufiger.

Lokale Daten aus der 20. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks

Wuppertaler Studenten haben mehr Geld zur Verfügung als ihre Kommilitonen im Bundesdurchschnitt. Sie gehen dafür aber auch häufiger arbeiten. Das geht aus den lokalen Daten der jüngsten Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks (DSW) hervor, die das Hochschul-Sozialwerk Wuppertal jetzt vorstellte.
Während ein Student (Erststudium, ledig, nicht bei den Eltern wohnend) im Bundesdurchschnitt über 864 Euro (an baren und unbaren Einnahmen) verfügt, im Durchschnitt von Nordrhein-Westfalen über 888 Euro, so standen dem in 2012 (die Befragung erfolgte bundesweit im Frühsommer 2012) in Wuppertal gar rund 900 Euro an verfügbaren Einnahmen gegenüber.
„Dabei darf aber nicht übersehen werden, dass jeder vierte Student mit weniger als 675 Euro, das entspricht dem derzeitigen Bafög-Höchstsatz, auskommen muss. Rund jeder fünfte Student verfügt sogar über weniger als 650 Euro“, erläutert Fritz Berger, Geschäftsführer des Hochschul-Sozialwerks Wuppertal.
Bafög über das Hochschul-Sozialwerk Wuppertal erhielten im letzten Jahr 4000 Studierende, das entsprach knapp 23 Prozent aller Studierenden. Aufs Konto der Antragsteller flossen monatlich im Schnitt 432 Euro.

Betrachtet man, aus welchen sonstigen Quellen die Studierenden in Wuppertal ihre Einnahmen beziehen, so fällt auf, dass der Anteil „eigener Verdienst aus Tätigkeiten während der Vorlesungszeit und/oder der vorlesungsfreien Zeit“ mit 405 Euro deutlich höher liegt als im Bundes- (323 Euro) und im Landesdurchschnitt (361 Euro).
Allerdings liegen die Mittel, die Wuppertals Studierende von ihren Eltern bekommen, mit durchschnittlich 450 Euro knapp unter dem Bundes- und Landesdurchschnitt von - in beiden Fällen - 476 Euro.
Auffällig ist, dass Wuppertals Studierende mit einem Anteil von 75 Prozent bundesweit beim Jobben an dritter Stelle liegen. Nur von Augsburg (78%) und Köln (76 %) werden die bergischen Hochschüler noch übertroffen. In Nordrhein-Westfalen sind durchschnittlich 67 Prozent erwerbstätig, im Bund gar nur noch 62 Prozent. 2009 waren es bundesweit noch 67 Prozent.
Die Gründe für den hohen Jobber-Anteil unter Wuppertals Studierenden sind nicht eindeutig zu benennen. Geschäftsführer Fritz Berger: „Vermutlich wirken mehrere Gründe zusammen: ein relativ hoher Anteil kommt aus nicht akademischem Elternhaus (54%), hat schon einen anderen Hochschulabschluss (72%) beziehungsweise befindet sich im Master (20%). All dies sind Indikatoren für eine überdurchschnittliche Erwerbstätigkeit“.
68 Prozent der erwerbstätigen Studenten geben an, dass sie laufend jobben. Als Motive stehen im Vordergrund: „weil es zur Bestreitung meines Lebensunterhalts unbedingt notwendig ist“ (80%), „damit ich mir mehr leisten kann“ (75%), „um finanziell unabhängig von den Eltern zu sein“ (61%).
Der durchschnittliche Nettostundenlohn beträgt 10 Euro. Damit liegen die Wuppertaler genau im Bundesdurchschnitt.
Bei der Frage „Mit welcher Tätigkeit verdienten bzw. verdienen Sie Geld“ zeigt sich, dass zwar eine relative Mehrheit einer reinen Aushilfstätigkeit (Fabrik, Büro, Kneipe) nachgeht, insgesamt jedoch ein beträchtlicher Teil der jobbenden Studenten eine Tätigkeit ausübt, die in irgendeiner Weise mit dem Studium zu tun hat: sei es als studentische Hilfskraft (24%), als wissenschaftliche Hilfskraft (4%), mit Nachhilfeunterricht (16%) oder in Jobs, bei denen der Studienabschluss Voraussetzung ist (8%).

Bemerkenswert in diesem Zusammenhang: für rund 55 Prozent sind „andere Interessen und Aktivitäten“ gleich wichtig wie Studium und Hochschule, für weitere 7 Prozent steht das Studium sogar im Hintergrund. Nur für 37 Prozent bildet das Studium den Mittelpunkt, auf den fast alle Interessen und Aktivitäten ausgerichtet sind.
Als weiterer Grund für den auffällig hohen Jobber-Anteil in Wuppertal kommen überraschend hohe Ausgaben für die monatliche Miete in Betracht: 318 Euro muss ein Wuppertaler Normalstudent für Miete inklusive Nebenkosten aufbringen. Das ist immerhin Rang 10 hinter Köln (359 €), München (358 €), Hamburg (351 €), Düsseldorf (338 €), Frankfurt/Main (337 €), Mainz (327 €), Konstanz (327 €), Darmstadt (322 €) und Berlin (321 €). Selbst in klassischen Unistädten wie Heidelberg (314 €), Bonn (309 €), Freiburg (307 €), Münster (305 €) oder Tübingen (304 €) liegen die studentischen Ausgaben für die Miete noch hinter denen in Wuppertal.
Jeder dritte Wuppertaler Student wohnt noch bei den Eltern. In einem günstigen Studentenwohnheim wohnen dagegen knapp 10% der Studierenden. Hier liegt die Miete im Durchschnitt bei 211 Euro „all inclusive“.

Insgesamt wurden auf Initiative des Hochschul-Sozialwerks Wuppertal 1.000 Studierende der Bergischen Universität befragt. Die Befragung wurde vom Institut für Hochschulforschung (HIS), Hannover, online durchgeführt und ausgewertet. 226 Fragebögen wurden beantwortet. Die Fehlertoleranz der Angaben liegt zwischen 3 und 6 Prozent.
Bundesweit wurde die erste Erhebung über die soziale Situation der Studierenden in Deutschland wurde bereits 1951 durchgeführt. Inzwischen sind die Studierenden in Deutschland die am besten untersuchte „Teilpopulation“ in unserem Lande. Europaweit ist die Sozialerhebung inzwischen Vorbild, wenn es um wissenschaftliche Daten über Studierende geht.
Sie wird alle drei Jahre vom Deutschen Studentenwerk (DSW) im Zusammenwirken mit den lokalen Studentenwerken beauftragt und vom Bundesbildungsministerium finanziert. An der bundesweiten Erhebung beteiligten sich im Sommersemester 2012 rund 15.000 Studierende.